Ausbau der S-Bahn (S6) Frankfurt – Friedberg auf 4 Gleise

by_dieter-schuetz_pixelio

So lautete der einstige Titel für das gestern Abend (19.03.2013) vorgestellte Projekt der Bahn. Seit 1995 geistert dieses, laut DB von Bund, Land, Stadt Frankfurt und Wetteraukreis bestellte Projekt, in den Köpfen der Bahn Projektplaner und Anwohner herum. Eine lang geplante und auch vom Ortsbeirat vielfach angefragte Informationsveranstaltung mit Vertretern der Bahn, Stadt, Land und weiteren Projektträgern wurde erst Anfang Dezember seitens der Bahn abgesagt um endlich gestern in Bonames als DB eigene Veranstaltung lanciert zu werden.
Der Saal war voll (~1000 Personen) und wurde immer voller, da anscheinend das Informationsbedürfnis vieler Bürger bis dato nicht ausreichend befriedigt wurde. Der Bahn Bevollmächtigte Dr. Vornhusen erörterte den Ursprung und Verlauf des Projektes und schilderte die Notwendigkeit aus Sicht der DB, eine Entflechtung der S6, der Personenzüge und des Güterverkehrs vornehmen zu müssen, da in den Spitzenzeiten zwischen 6 und 8 Uhr morgens und 16-18 Uhr abends ständig Überholmanöver statt fänden und zu unnötigen Verspätungen führten.
Auf die Frage nach den Kosten konnte keine Zahl genannt werden, da das noch nicht vollends neu berechnet wäre. – Der Saal tobte! – Ein Plakat von Jan Wagner, BI Taunusside, zeigte: „600 Millionen futsch für den gleichen S-Bahn Stau“
Zwischenfragen wollte man zunächst nicht gestatten – doch wäre ansonsten ein Fortführen der Veranstaltung wohl gescheitert.
Ein neuer Haltepunkt in Ginnheim sei ohne den Ausbau auch nicht realisierbar, so die Sprecher der Bahn, was dem tosenden Publikum wohl auch nicht so recht einleuchten wollte. Auf die Entgegenhaltung einzelner BI Sprecher, der Bau diene nur dem Ausbau des Güterverkehrs auf der Strecke und würde zu einer neuen Güterzug Magistrale als Entlastung des Rheintals, entgegnete Vonhusen, man hätte nachts noch jede Menge Slots frei und könnte dies bereits jetzt realisieren.
Es folgte eine dedizierte Streckenbeschreibung und planerische Konsequenzen des Ausbaus durch den Projektleiter Hr. Wolf, was nun dem Letzten der Anwesenden klar vor Augen führte, dass die Bauarbeiten wohl nicht minimal invasiv verlaufen dürften, sondern einen riesigen Einschnitt in die Landschaft und die Streckenkonstruktion mit Dammverbreiterung etc. im Grüngürtel von Frankfurt nach sich ziehen. Aber die Bauarbeiten begönnen ja erst 2015, da man jetzt noch Baugrund-Untersuchungen vornehmen müsse.
Es folgten Fragen über Fragen und Vorwürfe seitens der Bürgerinitiativen über die Verschleierung der Kosten, die verzerrte Betrachtung der Kosten-Nutzen Relation mit einem Nutzenfaktor unter 1, der mangelhaften Aufklärung im Vorfeld, der Präklusion vieler Klagen und der Wegargumentation seitens der DB, die nicht einmal an den Kosten beteiligt wäre, obwohl sie den einzigen Nutzen hätte: die höhere Ausnutzung der Strecke durch nahezu doppelte Anzahl von Güterzügen.
Ein wichtige Darstellung und Frage eines Ausbau Gegners betraf die Kaltluftschneisen der Stadt, zu deren Verlauf es bereits mehrere Gutachten gäbe. Die Höhe des Bahndamms mitsamt der Lärmschutzwand von 12m würde die Stadt von der Kaltluft aus dem Vogelsberg entlang der Nidda abschneiden, was zu dramatischen klimatischen Veränderungen im Sommer führen würde. Die Bahn Sprecher und der Projektleiter hatten darauf keine Antwort und waren sichtlich überrascht.
An diesen Stellen beschwichtige der DB Konzernbevollmächtigte Vornhusen immer wieder mit Aussagen wie „Die Bahn ist nicht Initiator des Projektes, sondern die Politik“ und „Wenn es nur um den Ausbau der Güterzüge ginge, dann können wir das bereits heute in der Nacht“. Auch eine für die 2 spurige Strecke bereits genehmigte Schallschutzwand sei den neuen, modern geplanten Schallschutzwänden unterlegen und nach dem Ausbau würde alles viel leiser.
Letzteres stellte Hr. Hub, Aktionsbündnis BAhNANE, allerdings in Frage, da, wie er nachweislich dokumentierte, die Zugzahlen und Lärmpegel, die dem Ausbau zu Grunde lägen, mehrfach angehoben worden wären, ohne dass dies in die Schallschutz- und Erschütterungskonzepte der Streckenplaner je eingeflossen wäre.
Am Ende des Abends blieben mehr offene Fragen als Antworten und Lösungen und wie oder ob der 2. Streckenabschnitt ab Bad Vilbel je genehmigt würde, war ja nicht Thema der Veranstaltung.

Der Vergleich zu Stuttgart21 hinkt zwar, aber die Kosten scheinen auch in diesem Fall nicht final berechnet und der Steuerzahler kann sich auch hier wohl auf einen saftigen Aufschlag gefasst machen, sollte der Bau wirklich kommen… so war es zumindest aus den Reihen der BIs und aufgebrachten Bürgern deutlich zu hören.

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen