Hanf – Kulturpflanze im Trend

Oliver Weber / Pixelio

Hanf, lateinisch Cannabis Sativa L., ist eine der ältesten Kulturpflanzen der Welt.  Bereits vor 10000 Jahren war Hanf bekannt und lieferte Nahrung (Samen) und Fasern für die Bekleidung. Natürlich war auch die „angenehme“ Wirkung beim Genuss von Cannabis-Gebäck oder beim Rauchen bekannt und dementsprechend beliebt.

Botanisch ist der Hanf mit dem Hopfen verwandt und so wurde er auch früh zum Bierbrauen verwendet. Allerdings hat ihn die konservierende Wirkung von Hopfen beim Bier verdrängt und letztendlich hat auch das deutsche Reinheitsgebot dazu beigetragen, dass Hanf hierzu nicht oder nur in Nischen Verwendung findet.

Hanf wächst schnell, wird bis zu 4m hoch und stellt keine allzu großen Anforderungen an den Boden. Seine natürlichen Abwehrstoffe gegenüber Schädlingsbefall macht Pflanzenschutzmittel überflüssig. Die Abwehrstoffe sind die ca. 65 bekannten Cannabinoide, von denen das THC (Tetrahydrocannabinol) und das CBD (Cannabidiol) am Häufigsten enthalten sind und für die psychoaktive Wirkung verantwortlich gemacht wird.

Am 17.12.1924 beschlossen die Teilnehmer der Genfer Opiumkonferenz Hanf unter die gleiche strenge Aufsicht zu stellen, wie Opium, Morphium, Heroin und Kokain. Seit 10.12.1929 steht in Deutschland der Cannabisbesitz unter Strafe. Seit 1985 setzte aber ein immer stärker werdender Hanfboom ein, der 1992 zur Gründung eines Hanfverbandes führte, der Hanf als Nutzpflanze fördern möchte.

Hanftaue waren allerdings in der Schifffahrt nie verschwunden, da Hanf hier auch nass eine hohe Griffigkeit aufweist und eine hohe Nass-Reißfestigkeit besitzt.

Als Nutzpflanze sind zumindest die THC armen Hanfsorten wieder stark im Kommen und aus medizinischer Sicht ist auch der Anbau von THC haltigen Sorten für viele Patienten eine große Hoffnung.

Hamfel / pixelio

Der Anbau von Hanf bringt dem Landwirt folgende Vorteile:

  • Unkrautbekämpfung ist nicht nötig, da der Hanf so dicht und schnell wächst, dass er alle Unkräuter verdrängt
  • Hanf verbessert die Bodenqualität, ist eine gute Vorfrucht und ist sehr gut selbstverträglich, kann also mehrfach hintereinander angebaut werden
  • Die Stroh-Reststoffe sind ein wertvoller organischer Dünger
  • Guter Deckungsbeitrag bei Nutzung von Stroh und Korn
  • Bei Hanf sind im Grunde alle Pflanzenteile ungiftig und für Mensch und Tier nutzbar

Wichtige Einsatzgebiete von Hanf sind derzeit:

  • Faserproduktion zur Herstellung einiger Bekleidungsartikel, z.Zt. allerdings meist in Kombination mit Baumwolle – Hanf besitzt eine hohe Saugfähigkeit, eine gute Durchlässigkeit für Schweiß und wird nicht von Motten oder anderen Schädlingen heimgesucht.
  • Dämmmaterial in der Automobilindustrie und im Hausbau
  • Papierherstellung aufgrund seines niedrigen Ligningehaltes. Da es zudem sehr hell ist, ist auch eine Chlorbleiche nicht nötig.
  • Tiereinstreu

 

Hanf ist also in vielerlei Hinsicht ein idealer Werkstoff und vielleicht war das auch der Grund, warum wir nun mindestens 60 Jahre Know How im Umgang mit Hanf kompensieren müssen.

Die erste Levis Jeans war aus Hanffaser und sie war dadurch sehr widerstandsfähig gegenüber Verscheiß, sehr trageaktiv, feuchtigkeitsregulierend und ist zudem nicht leicht entzündbar. Auf für Militärkleidung möchte man meinen, dass Hanf hier in Kürze wieder die Baumwolle verdrängen wird.

Die Düngemittel- und Herbizid- produzierende Industrie wird das nicht gerne hören, zumal bei Hanf auch viel weniger bis keine Bleichmittel benötigt werden. Ein schlechtes Geschäft …?

Zumindest den Tragekomfort und die Bio-Zertifizierung, sowie die schadstoffarmen Bekleidungen werden viele Verbraucher schätzen.

Gerade für arme Länder mit wenig Wasser Ressourcen dürfte Hanf aber das Mittel der Wahl sein, die oftmals am Boden liegende Textilindustrie mit einheimischem Fasermaterial wieder ins Leben zu rufen.

In einer Studie chinesischer Wissenschaftler stellte sich heraus, dass der Stoff aus Hanf bis zu 95 % der UV-Strahlung abfangt und ein durchgehender Stoff wie eine Plane sogar bis zu 100 %. Des Weiteren wurde die Hanffaser auf seine Hitzebeständigkeit getestet und man stellte fest, dass man diese bis 370° C erwärmen kann ohne das eine Verfärbung sichtbar wird. Erhöht man die Temperatur auf 1000° C verkohlt zwar der Stoff doch er entflammt nicht.

Feinste Hanffasern erhält man durch Kotonisierung der Bastfasern, durch Kochen mit Natronlauge, Soda oder Kalklauge oder durch enzymatischen Aufschluss. Letzterer ist deutlich Faser schonender. (Google Books)

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