Kolloidales Silber – Desinfektionsmittel, Nahrungsergänzung oder Heilmittel?

Bevor wir uns da in esoterische Verstrickungen begeben, schauen wir uns doch mal an, was bekannt ist und wo die Fakten sind.

Silber ist seit alters her bekannt als „keimtötend“, nicht umsonst hat man früher sogar Silbermünzen in die Milch und ins Trinkwasser gelegt oder benutzten schon die alten Griechen Teller und Essbesteck mit Silberüberzug.

Silber, Ag (Argentum), ist ein Schwermetall und aufgrund seines elektrochemischen Standardpotentials von 0,8 Volt ein so genanntes Edelmetall.

Das bedeutet u.a., dass Silber schwerer zu oxidieren ist, also an der Luft beständig ist, ohne sich mit einer Oxidschicht zu überziehen (die Schwarzfärbung von Silberbesteck und Schmuck ist Ag2S).

Silber gehört wie viele andere Metall und Elemente zu den Spurenelementen, die der Körper zur einwandfreien Funktion benötigt.


 

Was bewirken Metalle im Körper?

Meist treten die Metalle in Form organischer Komplexe auf und dienen selbst fast ausschließlich als Katalysatoren für biochemische Prozesse.

Ein Katalysator ist eine Substanz, die einen bestimmten Prozess fördert, an der Umwandlung bzw. Reaktion maßgeblich beteiligt ist, aber nicht verbraucht wird.

Elementares Silber ist, wie bereits erwähnt schon lange u.s. als bakterizid bekannt. Man nimmt an, dass sich positiv geladene Silberatome (Ag+) and die negativ geladene Hülle von Bakterien andocken und dort deren Stoffwechsel stören. Das Wirkprinzip ist aber bis dato nicht bekannt.

 

In welcher Form kann nun Silber auftreten und wirken?

Silber kann nun elementar als metallisches Silber im Kristallgitter, frisch gefällt – möglichst niedermolekular – als kolloidales Silber (Kolloide sind feinst verteilte, mikroskopisch kleine Teilchen (µm, Mikrometer Bereich und kleiner) in einer Flüssigkeit und zeigen eine leichte Trübung (s.a. Tyndall Effekt) oder noch kleiner als Silber Nanopartikel und als Ag+ , als Silberion in Lösung auftreten.

Die Wirkweise ist in keiner Form ausreichend geklärt. Letztendlich ist es nur eine Frage des pH-Wertes und aus elementarem Ag wird Ag.

Kolloidales Silber (oft koSi abgekürzt) besitzt eine wesentlich größere Oberfläche als normales Silber im größeren Kristallgitter und kann daher auch katalytisch aktiver sein.

 

Was wurde gefunden?

1869 wies Ravelin bereits darauf hin, dass Silber bereits in sehr niedrigen Dosierungen seine antimikrobielle Wirkung entfaltet.

1893 beschrieb von Nägeli (1871-1938), dass schon Konzentrationen von nur 0,0000001% Silberionen genügen, um einen in Frischwasser vorkommenden Keim (Spirogyra) abzutöten

1881 bis heute: Silbernitrat ( AgNO3) wird als sog. Höllenstein zum Ätzen (Warzen etc.) und Desinfizieren eingesetzt. Silbernitratlösung wurde früher (vor 1986 gesetzlich vorgeschrieben) auch Neugeborenen direkt in die Augen geträufelt um evtl. Gonokokken-Infektionen (durch Tripper bei der Mutter) und anschließender Erblindung vorzubeugen.

1968 führte Fox eine Silbersulfadiazin-Creme ein, wo die bakterizide Wirkung des Silbers mit Sulfonamid kombiniert wurde.

Heute kommen vermehrt Silber Nanokristalle zum Beispiel in der Wundheilung zum Einsatz. Durch die Vakuum Verdampfungstechnik ist es gelungen noch kleinere Silberpartikel zu erzeugen, die, auf Pflaster gepackt, die Wunden keimfrei machen.

 

Zur Pharmakologie des Silbers

In Rosenkranz HS, Chemoter, 1972, 2: 373-383 wird beschrieben, dass Silberkationen die zellulären Transportmechanismen und die proteolytische Aktivität der Bakterienzelle zerstört. Das ist durch bereits oben genannte Bindung der Silberionen an die Zellwände und –membranen möglich. In weiteren Literaturstellen wird auch von der Behinderung der DN Replikation und Blockaden der Atmungskette bei Bakterien geschrieben.

 

Nebenwirkungen bzw. Toxikologie von Silber

Bei Silbersalzen wie Silbersulfadiazin (Flam(m)azine) beschreiben McCauley R.L. et al, J Sur Res. 1989; 46 (3) 267ff und Wang, X.W. Burns, 1985 11:3, 197 – 201 das Auftreten von Argyrie in einigen Fällen. Unter Argyrie versteht man eine dunkelgraue Verfärbung der Haut, die durch Silbereinlagerungen oder Silbersulfide entsteht und eine Beeinträchtigung darstellt.

Bei Anwendungen von Silberkationen und elementarem Silber sind bisher keine Intoxikationen bzw. Beeinträchtigungen gefunden worden.

Lansdown, J. o. Woundcare; 2004, 13:4; 131-136 beschreiben den Anstieg von Silberthioninen, exakt Metallothioninen, die eine beschleunigte Wundheilung bewirken.

 

Kolloidales Silber

In vitro Tests (im Reagenzglas) gibt es massig, doch die für eine Arzneimittelzulassung wichtigen  in vivo (im lebenden Organismus) Untersuchungen und aussagekräftigen Feldstudien gibt es nicht.

 

Warum nicht?

Genau hier kommt es zur Aufspaltung der Lager und Interessengebiete.

Die Esoteriker und MLM Firmen behaupten, koSi sei das Wundermittel und eine Einnahme würde viele Leiden sofort besiegen. Die Pharmaindustrie hätte an den kostenintensiven Test und der Zulassung kein Interesse, da Silber nicht patentfähig sei und damit also auch nichts zu verdienen ist.

 

Von Medizinern kommen dagegen Hinweise auf Argyrie (Dunkelfärbung der Haut),  die zu Argyrose und neurologischen Problemen führen kann.

 

In Wikipedia findet sich folgender Auszug:

(http://de.wikipedia.org/wiki/Kolloidales_Silber)

Silberempfindliche Keime können mit der Zeit silberresistent werden. Über Plasmide kann der Resistenzmechanismus zwischen verschiedenen Bakterienarten ausgetauscht werden. Silberresistente Keime wurden in Wasserfiltern nachgewiesen sowie bei Patienten mit Brandverletzungen, die mit silberhaltigen Mitteln behandelt wurden. Möglicherweise sind grampositive Bakterien etwas empfindlicher als gramnegative. Der antivirale Effekt ist relativ gering und lässt sich auch durch Erhöhung der Konzentration kaum steigern. Einzelne Erfahrungsberichte sprechen teils begeistert von diesen Erfolgen, ebenso gibt es kritische Stimmen, die diesem nicht als Arzneimittel zugelassenem Stoff keine, nur eine geringe oder gar eine schädliche Wirkung unterstellen. Kolloidales Silber ist nicht als Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel zugelassen, nicht verschreibungsfähig, und kann daher nur als „Hausmittel“ angesehen werden.

Ferner wird auf Einlagerungen in verschiedenste Organe Bezug genommen, wobei aber die untersuchten Einnahmemengen unzureichend refferiert wurden. Eine Einnahme während der Schwangerschaft sollte aber in jedem Falle unterbleiben.

 

Fazit:

Die Anzahl der Literaturstellen zu kolloidalem Silber ist riesig.

Es gibt keine verlässlichen Studien über die Einnahme von Silber, weder als Nanopartikel noch als kolloidales Silber.

Bisher sind nur Berichte von Anwendern zu finden, die euphorisch ihr Handeln und dessen positive Wirkung bekunden.

Wenn Sie Ihr Trinkwasser von nun an in silbernen Gefäßen aufbewahren und das Familiensilber wieder hervorholen, sind Sie wahrscheinlich auf der sicheren Seite.

Die Herstellung von kolloidalem Silber ist zwar nicht übermäßig schwer, aber der Laie kann sich durch unsauberes Wasser und verunreinigtes Silber, falsche ppm Gehalte in Silberlösungen trotzdem schädigen.

 

Literatur (Auszug):

www.wundmanagement.com/fulda2006/Silber%20in%20der%20Wundheilung%20Fulda.pdf

http://www.chemtrails-info.de/kolloidales-silber/geschichte.htm

http://www.chemtrails-info.de/kolloidales-silber/faqs.htm

http://www.tufts.edu/med/apua/Newsletter/17_3a.html

http://www.zeitenschrift.com/magazin/49-kolloidalessilber.ihtml

http://de.wikipedia.org/wiki/Kolloidales_Silber

http://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Kolloidales_Silber

http://www.arznei-telegramm.de/zeit/0210_a.php3

 

 

 

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